Kinderorthopädie

«Kinderorthopädie ist die Anwendung muskuloskeletärer Kenntnisse zum Wohle des Kindes» (Mercer Rang)

In der Kinderorthopädie haben wir es zu tun nicht nur mit den Kindern als Patienten, sondern auch mit deren Eltern oder Betreuungspersonen. Es sind die Eltern, die uns ihre Befürchtungen mitteilen und diese müssen wir ernst nehmen!
Die Kinderorthopädie, ein Spezialfach innerhalb der Orthopädie, setzt viel Erfahrung voraus. Einerseits wächst und verändert sich der kindliche Körper im Laufe seiner Entwicklung – zu erkennen, ob ein Befund zu einem gegebenen Zeitpunkt nun noch altersentsprechend oder doch krankhaft ist, erfordert die Kenntnisse der feinen Grenzen zwischen «krankhaft» oder «noch altersentsprechend». Andererseits gilt es, auch diskrete Hinweise auf wirklich krankhafte Befunde nicht zu übersehen.
Erfreulicherweise sehen wir in der Sprechstunde ja sehr viele gesunde Kinder. Zum Beispiel mit Gangauffälligkeiten – Einwärts- oder Auswärtsgang - , die die Eltern beunruhigen, oder mit Achsenabweichungen – O- oder X-Beine-, wo es gilt, aufzuzeigen, dass diese Befunde, je nach Alter des Kindes, noch altersentsprechend sind und lediglich weiter beobachtet werden müssen.

Auch ein «Plattfuss» (Knick- oder Knicksenkfuss) bereitet den Eltern Sorge – dahinter drückt sich sehr oft auch ihre Unzufriedenheit aus, was für und wie Schuhe getragen werden (Turnschuhe, nicht geschnürt etc). In den meisten Fällen ist diese Fussform ebenfalls entwicklungsabhängig und korrigiert sich spontan bis zum ca 12., 14.Lebensjahr, braucht demzufolge auch keine Behandlung, vor allem auch keine Einlageversorgung. Bei Schmerzen hingegen muss weitergesucht werden, ob zum Beispiel eine knöcherne Fehlbildung (Coalition) diese verursachen könnte.

Die Haltung eines Kinder verrät einerseits viel über über seine Befindlichkeit, andererseits sind die zwei Haltungsprobleme, der Rundrücken (Scheuermann) und die Seitverbiegung, die Skoliose, unbedingt rechtzeitig zu erkennen, damit eine zielgerichtete Therapie einen bleibenden Schaden oder sogar eine mögliche Operation zu vermeiden hilft.

Auf Knieprobleme weisen meistens Schmerzen hin. Hier sind neben der exakten klinischen Untersuchung sehr häufig auch weiterführende Bildgebung (Computertomographie, MRI) notwendig.

Angeborene Störungen fallen vor allem im unteren Bereich auf. Auch hier gilt zu unterscheiden von lediglich intrauteriner, lagebedingter Fehlhaltung, zB beim Hackenfuss, der keiner Therapie bedarf zur echten angeborenen Störung wie zum Beispiel dem Klumpfuss. Und auch dieser kann in Kombination zu einer weiteren Fehlbildung am Bewegungsapparat stehen wie der Hüftentwicklungsstörung (Hüftdysplasie), einer weitergehenden Fehlbildung des Unterschenkels oder der ganzen Beines (Dysmelie) oder sogar in Begleitung neurologischer Störungen.
Der Klumpfuss kann heute sehr gut mit einer mehrwöchigen Gipsbehandlung, praktisch ohne Operation, vollständig korrigiert werden (Redression nach Ponseti), jedoch gefolgt von einer mehrjährigen Schienenbehandlung nachts.
Fehlbildungen an den Zehen, hierbei vor allem extrem krumme oder zu viele Zehen (Polydaktylie), brauchen in der Regel eine operative Behandlung, meist um das erste Lebensjahr.

Die oben schon erwähnte Hüftmangelentwicklung wird heute dank dem Ultraschall der Hüften (nach R.Graf) bereits in den ersten Lebenswochen erkannt und kann dadurch in den allermeisten Fällen sehr einfach mit einer Schienen- oder Bandagenbehandlung innert sehr kurzer Zeit zur vollständigen Ausheilung gebracht werden. Dank dem Ultraschall entfallen Röntgenbilder und vor allem die bei verspäteter Diagnose aufwendigen Operationen.

Die Kinderorthopäden sind innerhalb der Orthopädie eigentlich noch die letzten «Generalisten» - wir sehen – und allenfalls behandeln – die Kinder «von Kopf bis Fuss». Aber genau darum gehört die Kinderorthopädische Sprechstunde zu den erfreulichsten.

Dr. med. Erica Lamprecht
Erica Lamprecht

Tel: 055 285 50 50
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